Das Exil in Frankreich (1933-1940)

Am 21.02.1933 verlässt Heinrich Mann ohne großes Gepäck Deutschland und flüchtet nach Frankreich, da er aufgrund antifaschistischer Aktivitäten mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten rechnen muss. Seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Nelly Krueger begleitet ihn.


Heinrich und Nelly Mann 1938 in Frankreich


Seine erste Frau Maria und ihre gemeinsame Tochter bleiben zunächst in Deutschland zurück, bevor sie nicht ohne Widrigkeiten nach Prag - der früheren Heimat Marias - emigrieren.
Bereits in Folge der ersten Ausbürgerungsliste wird dem Autor am 25.08.1933 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt: Heinrich Mann ist fortan staatenlos. Der Versuch, sich in Frankreich - dem Land seiner Wahl - einbürgern zu lassen, scheitert an der Kürze seines bisherigen Aufenthaltes. Dennoch bleibt er von 1933-1940 im französischen Süden in der Gesellschaft anderer deutscher Emigranten, wie etwa Kersten, Feuchtwanger, Roth und Klaus Mann.
1936 erhält er durch Vermittlung des tschechoslowakischen Präsidenten Tomás Masaryk eine neue Staatsangehörigkeit. Heinrich Mann kennzeichnet das antifaschistische Engagement und die Hilfe, welche Emigranten im Marseiller Konsulat der Tschechoslowakei erfahren, als vorbildlich.
Der Autor hielt sich auch vor seiner erzwungenen Emigration oft im französischen Ausland auf und engagierte sich sowohl dort als auch in Deutschland für die Verbesserung der - gerade nach dem ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag - angespannten deutsch-französischen Beziehungen. Er empfindet Frankreich - nach eigenen Aussagen - zwischen 1933-1940 weniger als Exil-, sondern vielmehr als Gastland und geistige Heimat. Dazu tragen neben seinen regen - sowohl deutsch- als auch französischstämmigen - intellektuellen Kontakten, vor allem die von ihm erschlossenen und als Sinn stiftend erachteten politischen und schriftstellerischen Betätigungsfelder bei.

Als die nationalsozialistischen Truppen 1940 nach der französischen Kapitulation am 22. Juli auch nach Südfrankreich vorrücken sieht sich Mann wiederum zur Flucht gezwungen. Über die Pyrenäen, Spanien und Portugal sowie ab Lissabon mit dem Schiff verlässt Heinrich Mann zusammen mit seiner Frau, seinem Neffen Golo und dem Ehepaar Werfel am 4. Okt. 1940 Europa.

 
Erarbeitung:
Christina Szentivanyi